Mucksmäuschentot – Gordon Reece

mucksmaeuschentot Fischer Jugendbuch Verlag
Softcover Ausgabe
ca. 352 Seiten
13,99 Euro
April 2012
ISBN: 3841421334

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Inhalt (lt. amazon.de):

Bis der Faden reißt.
„Shelley, Liebes, du brauchst keine Angst zu haben. Er will nur Geld. Wenn wir tun, was er sagt, lässt er uns in Ruhe und geht wieder.“
Ich glaubte ihr nicht. Ihre zitternden Hände und ihre Stimme verrieten mir, dass sie es selbst nicht glaubte. Wenn eine Katze ins Mauseloch eindringt, lässt sie die Mäuse nicht ungeschoren davonkommen. Ich wusste, wie die Geschichte enden würde.“
Shelley und ihre Mutter waren zu lange einfach zu nett. Klassische Opfer, die sich nach massivem Mobbing wie Mäuse fühlen. Sie verkriechen sich in einem abgelegenen Haus auf dem Land, um ihre Probleme hinter sich zu lassen. Sie sind glücklich in ihrer kleinen Welt mit Büchern, Musik und häuslichen Ritualen. Doch eines Nachts werden sie in ihrem neu gefundenen Frieden bedroht: Ein Mann dringt in ihr Haus ein. Und bei Shelley reißt der Faden. Was dann passiert, zerstört alle Gewissheiten.

 

Kommentar:
Shelley ist ein typisches Mobbing-Opfer in der Schule. Eine graue Maus, die man herumschubsen kann, die sich nie wehrt. Ihre Mutter ist ebenso. Verlassen vom Ehemann für eine jüngere, ausgenutzt von ihren Arbeitskollegen. Zusammen ziehen Mutter und Tochter raus aufs Land und wollen alles hinter sich lassen, nur noch für sich sein. Alles ist gut in ihrem Mauseloch, bis sich eines Tages eine Katze, in Form eines Einbrechers, ins Mauseloch verirrt. Da wird Shelley dann endlich wach und wehrt sich…

Wie viele andere auch, bin ich mit ganz falschen Erwartungen an dieses Buch gegangen. Erwartet hatte ich nämlich einen spannenden Thriller im Stile von Jay Ashers „Tote Mädchen lügen nicht“, so wie es der Klappentext versprochen hatte. „Mucksmäuschentot“ ist aber anders, eher wie „Nichts“, aber mit fragwürdigerem Inhalt.

Zunächst einmal erzählt Gordon Reece die Geschichte der 16jährigen Shelley, die seit Beginn der Pubertät von ihren ehemals besten Freunden gemobbt wird. Je weniger sie sich zur Wehr setzt, – und sie wehrt sich nie – je mehr sie zum Opfer wird, desto stärker wird das Mobbing, umso grausamer das, was ihr angetan wird. Es geht so weit, dass schließlich tatsächlich Shelleys Leben bedroht ist. Zu diesem Zeitpunkt entschließen sich Mutter und Tochter aufs Land zu ziehen und hier setzt die eigentliche Geschichte dann auch ein.

Nachdem Shelley jahrelang das Opfer war, jahrelang erfahren musste, dass sich niemand darum kümmert, wenn ein Mensch, der einem nicht allzu nahe steht, gequält und misshandelt wird, platzt schließlich alles aus ihr heraus, als ein Einbrecher in ihr Haus einbricht und sie und ihre Mutter als Geiseln nimmt, sie ausraubt und beschimpft. Endlich wehrt sie sich, endlich verlangt sie den ihr zustehenden Respekt. Leider hat dieses Verlangen schlimme Konsequenzen, denn sie und ihre Mutter bringen den Einbrecher um und versuchen die Tat zu vertuschen. Dass es bei diesem Vertuschungsversuch tatsächlich einen Zuschauer gibt, finden Mutter und Tochter erst später heraus, was sie erneut zum Mörder werden lässt.

Die ganze Tat ist vielleicht verständlich. Verständlich, weil man natürlich verstehen kann, warum Menschen, die ihr Leben lang grausam behandelt wurden, sich dann auch einmal wehren, wenn es soweit ist. Und der erste Mord geschah ja also tatsächlich mehr oder weniger so, dass man es als Notwehr ansehen könnte. Der zweite Mord war jedoch wirklich einfach nur ein Mord. Jedenfalls beinahe. Hier will ich nicht zu sehr ausholen, jeder sollte das Buch für sich alleine lesen. Was ich sagen will ist einfach, dass diese Taten in diesem Buch zwar so beschrieben werden, dass die Intention verständlich ist, also der Grund, warum Shelley und ihre Mutter so handelten, schlimm ist aber, dass die Reue fehlt.
Hier wird es so hingestellt, als wenn es richtig wäre, sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu wehren, auch wenn dabei ein Mensch verletzt wird, nur weil man selbst auch grausames über sich ergehen lassen musste. Natürlich kann man darüber diskutieren, genau das ist sicherlich auch sinnvoll, ich frage mich nur, wie viele Jugendliche dieses Buch tatsächlich in angemessener Form diskutieren und reflektieren, wenn sie es gelesen haben. Außerhalb der Schule werden das wohl die wenigsten sein und das finde ich schon bedenklich, da dieses Buch ja schon ein Jugendbuch sein will.
Als Schullektüre finde ich es überhaupt nicht verkehrt dieses Buch zu behandeln, vor allem unter dem Gesichtspunkt der Moral und Verantwortung. Alleine würde ich mein Kind dieses Buch eher nicht lesen lassen. Jedenfalls nicht, wenn es sich danach nicht angemessen damit auseinander setzen könnte.

Insgesamt weiß ich nicht so wirklich was ich von diesem Buch halten soll. Der Schreibstil ist fesselnd, die Geschichte an sich hat allerdings Längen. Die Aussage ist zweifelhaft. Insgesamt würde ich neutrale drei Sterne vergeben.

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Ein Kommentar zu “Mucksmäuschentot – Gordon Reece

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